Es war Donnerstag früh, als der kicker titelte: “FC Bayern: Dante ein Kandidat.” Was macht man also als Borusse? Man investiert bereitwillig 1,80 Euro, setzt sich gemütlich ins Stammcafé und liest gespannt die umfangreichen Enthüllungen der deutschen Sportpresse.
Hier nun der gesamte, ungekürzte Text aus dem kicker-Print zum Thema Dante: “Ein anderer Kandidat, über den beim FC Bayern nachgedacht wird, ist billiger: der Brasilianer Dante (28). Der Gladbacher Abwehrchef hat eine Klausel in seinem bis 2014 gültigen Vertrag, aus dem er für rund fünf Millionen Euro aussteigen kann.”
Das war’s. Mehr hat der Artikel von Karlheinz Wild nicht zu bieten – was also nichts anderes bedeutet als… gar nichts. Wilde Spekulation, die alleine auf der Grundlage existiert, dass Dante angeblich eine Ausstiegsklausel besitzt und günstiger wäre als Höwedes oder Hummels. Was sonst eine Spezialdisziplin des Boulevards ist, nämlich das An-den-Haaren-herbeiziehen, kann auch der kicker vorzüglich.
Also: Neuigkeiten – keine. Wenigstens ist die Geldbörse nun um 1,80 Euro leichter.
Oder doch alles ein Störfeuer, wie wir es von den Oberbayern kennen? Die direkte Konkurrenz verunsichern und nervös machen, seit jeher ein probates Mittel an der Säbener Straße. Dafür ist heutzutage nicht mal mehr Uli Hoeneß nötig – nein, auch andere Abteilungen der FC Bayern München AG können die Abteilung Attacke anführen. Wie sonst ist es zu erklären, dass man bei den Bayern schon Karten fürs Pokalfinale kaufen kann? Das Halbfinale ist ja schließlich schon so gut wie gewonnen, nur noch eine Formalie ist dieses lästige Spiel bei der Trümmertruppe vom Niederrhein.
Empfehlung an Borussias Trainerteam: Einfach kurz vor dem Spiel einen Ausdruck dieser “Bestellinformation” an die Kabinenwand pinnen. Das sollte als Motivation ausreichen, um den Münchnern wieder drei Stück einzuschenken.
Und dann wäre da noch Grandseigneur Franz Beckenbauer, der das dezente Gestichel schon vor einer Woche startete. Der fand in der Sport Bild einen dankbaren Abnehmer für seinen rührenden Versuch, Lucien Favre schnellstmöglich in die Arme des großen FC Bayern zu quatschen. “Ich kann verstehen, dass sich ein Trainer seiner Qualität auch einmal ins gemachte Nest setzen möchte”, beeindruckte Beckenbauer mit einem intimen Einblick in Favres Gedankenwelt, den wohl nur er selbst haben dürfte. So kommt die Sport Bild zum wenig überraschenden Schluss: “Favre wäre einer für Bayern!”
Man sieht: Die deutschen Medien wollten Borussia Mönchengladbach einfach keine Ruhe lassen. Nachdem die Ausverkaufshysterie im Januar nicht den gewünschten Effekt hatte (die Mannschaft siegt einfach weiter) und Leistungsträger Juan Arango sogar noch seinen Kontrakt bis 2014 verlängerte, wird jetzt ein neuer Anlauf genommen, um Unruhe ins Gladbacher Umfeld zu bringen.
Aktuell handelt es sich um allerdings fast schon bemitleidenswerte Versuche. Max Eberl reagierte auf die Causa Favre schon am Montag darauf mit entspannter Gelassenheit: “Wir stehen mit Lucien Favre in sehr engem Austausch und möchten die erfolgreiche Arbeit mit ihm fortsetzen. Ich mache mir keine Gedanken darüber, dass diese Äußerungen die Vertragsverhandlungen mit Lucien Favre beeinflussen.”
Und auch Dante selbst scheint seine Perspektive eher in Mönchengladbach zu sehen, wie ein Interview mit ihm in der Sport Bild vom Mittwoch verriet. Der Brasilianer hat momentan Spaß (“Wir spielen schönen Fußball”) und ließ sich selbst durch den Abgang von Marco Reus die gute Laune nicht nehmen (“Ich war ein bisschen traurig, trotzdem muss man das akzeptieren”). Darüberhinaus wagt der 28jährige schon einen Blick auf seine nächste Saison – in Mönchengladbach: “Wir müssen uns auf jeden Fall verstärken! Wichtig ist auch, dass unser Trainer bleibt.”
Sollte Max Eberl tatsächlich den Vertrag mit Lucien Favre verlängern, wonach es aktuell ja ziemlich aussieht, wird ein Abgang von Dante erst recht unwahrscheinlich.
Am Samstag nun also das Auswärtsspiel beim angeschlagenen 1. FC Kaiserslautern. Die sind elfmal in Folge sieglos, haben mit 15 Saisontoren die ligaweit schlechteste Offensive vorzuweisen und mit beispielsweise Kirch, Tiffert, Wagner und Yahia einige Stammspieler in der Formkrise. Dass es trotzdem kein Selbstläufer wird in der Pfalz, sollte jedem anhand der Hinrundenspiele in Freiburg und Augsburg (je 0:1) klar sein. Der letzte Sieg einer Gladbacher Borussia beim FCK datiert vom 19.08.1995 (3:1), seitdem hagelte es Niederlagen. Zudem tat sich die Borussia zuletzt (mit Ausnahme Stuttgart) in der Fremde meist schwer, die Hausherren sind angesichts ihrer Tabellenlage zu einem Sieg schon fast verdammt. Zumindest spielerisch hat die Borussia mit dem 3:0 gegen Schalke wieder in die Spur gefunden, allerdings werden die Pfälzer wohl kaum mit fünf Stürmern auflaufen wie Huub Stevens.
Verstanden hat die Mannschaft jedenfalls, dass Lautern keine Laufkundschaft ist. “In Kaiserslautern müssen wir den Kampf annehmen und fußballerisch mehr zeigen”, verriet Roman Neustädter dem kicker.
Problematisch werden könnte allenfalls ein Ausfall von Marco Reus. Ob der Stürmer in der Pfalz auflaufen kann, wird sich in Kürze entscheiden. Heute war “Woody” wegen Adduktorenproblemen zu Besuch in München, um sich von Doc Müller-Wohlfarth durchchecken zu lassen. Sollte sich Borussias Nummer 11 nicht fitmelden können, würde wahrscheinlich “Viertelfinalheld” Igor de Camargo in die Startelf rücken – allerdings wäre auch Mathew Leckie eine Option. Eng werden könnte es in der Offensive, wenn Mike Hanke seine Grippe nicht auskurieren kann – dann könnten sowohl Leckie als auch de Camargo plötzlich den Startsturm bilden. Mit Thorben Marx und Oscar Wendt haben zuletzt zwei Spieler eine Trainigspasue einlegen müssen, die aber für Samstag wohl eher in die Kategorie Bankspieler fallen dürften.
Die Von-Spiel-zu-Spiel-Philosophie wird also gegen einen angeschlagenen Gegner auf die Probe gestellt. Ein Gegner, der gerade wegen seine prekären Lage gefährlich sein wird. Dass Borussia seit 16 Jahren nicht mehr in der Pfalz gewonnen hat, dürfte aber auch ein gutes Zeichen sein: Nach Stuttgart ist die Mannschaft unter ähnlichen statistischen Voraussetzungen gefahren. Das Ergebnis ist bekannt. Und wohl niemand im Gladbacher Lager hätte etwas dagegen, würde sich dieses Ergebnis wiederholen.