Die Wettervorhersage lässt für empfindliche Nasen nichts Gutes hoffen: Am Samstagnachmittag herrschen in Wolfsburg wahrscheinlich -8°C, die sich dann auch noch wie -13°C anfühlen sollen. Man ist an solchen Tagen doppelt dankbar für das sky-Abo und das warme Sofa, obwohl sich 30.000 Wolfsburger und 5000 Gladbachfans auf dem Weg ins Stadion machen und für eine ausverkaufte Arena sorgen werden. Respekt.
Auf dem Platz wird es für Borussia gegen eine wieder einmal während einer Transferphase komplett runderneuerte Magath-Mannschaft gehen. Der Teammanager des VfL Wolfsburg hat im Januar nicht nur knapp 30 Millionen Euro in neues Personal investiert, sondern auch hartnäckig allen Angeboten für seine ausgemusterten Stürmer widerstanden. Erst in letzter Sekunde wurde Srdjan Lakic zur TSG Hoffenheim transferiert – als Halbjahresleihe mit einer saftigen Leihgebühr von 850.000 Euro, wie der kicker am Donnerstag in der Printausgabe berichtete. Der andere ungewollte Stürmer, Patrick Helmes, war unerklärlicherweise immer wieder Gegenstand von wilden Spekulationen als möglicher Neuzugang bei Borussia. Nun wissen wir auch, warum es wahrscheinlich nicht mit einem Transfer geklappt hat – falls Borussia überhaupt jemals Interesse hatte: Felix Magath forderte für den eigentlich ausgemusterten Offensivspieler satte 5 Millionen Euro Ablöse (ebenfalls nachzulesen im Print-kicker).
Eine Summe, die nicht einmal Zweitligist Eintracht Frankfurt aufbringen konnte. Und so ist Helmes immer noch in Wolfsburg und mit Schließung des Transferfensters auf wundersame Weise von Magath begnadigt worden. Sogar mittrainieren durfte der Ex-Nationalspieler am Mittwoch wieder und freute sich: “Ich fühle mich wie ein Neuzugang.”
Denkbar, dass Helmes gegen die Borussia wieder in die Startelf rotiert, zumal sich Mario Mandzukic mit seinen offensiv vorgetragenen Wechselwünschen Richtung Tottenham kurz vor Ende der Transferperiode selbst ins Abseits gestellt hat. Oder, wie Magath es formuliert: “Mit unserer Offensive war ich in München nicht zufrieden.” Beim dortigen 0:2 stürmte Mandzukic neben Dejagah – beide boten wenig Erbauliches. Möglich, dass der Rotationsweltmeister seine Startelf gerade in der Offensive komplett umkrempelt.
Bei Borussia Mönchengladbach allerdings stehen die Zeichen vor der Partie in Niedersachsen wie schon in den vergangenen Monaten komplett auf Sieg. Personalpolitisch konnte Max Eberl zuletzt enorme Fortschritte bei Juan Arango vermelden: “Es müssen nur noch Kleinigkeiten geklärt werden. Wir gehen sehr stark davon aus, dass Juan den Vertrag verlängern wird”, verkündete der Sportdirektor am Montag. Im Gespräch ist eine Verlängerung über zwei Jahre bis 2014, die, bei erfolgreichem Abschluss, ein deutliches Gegensignal zu der Ausverkauf-Hysterie im Januar darstellen würde.
Ganz aktuell entspannt sich die Personallage in der Defensive: Filip Daems ist nach seinem krankheitsbedingten Ausfall letzte Woche ebenso wieder fit wie Roel Brouwers, der zuletzt an argen Rückenschmerzen litt. Die hat sich übrigens der Wolfsburger Alexander Madlung eingefangen – Einsatz ungewiss.
Lucien Favres Marschroute bleibt auch zum 20. Spieltag unverändert. Borussia müsse “weiter intelligent spielen”, so der Coach. “Es ist, wie ich immer sage: Wir müssen weiter hart arbeiten und um jeden Punkt kämpfen.”
Den Respekt vor dem VfL Wolfsburg hat Favre dabei trotz aller Euphorie nicht verloren: “Wolfsburg hatte schon vor der Winterpause sehr gute Spieler, ist jetzt aber noch einmal besser geworden. Mit Felipe Lopes und Ricardo Rodriguez haben sie gerade in der Abwehr zwei sehr gute Spieler dazu bekommen”, sagte Favre. Um dann einen Satz hinterherzuschieben, der das gute Verhältnis zwischen Trainer und Sportdirektor deutlich beschreibt. Denn angesprochen auf die Frage, ob er nicht lieber auch wie Felix Magath shoppen gehen würde, anstatt nur zwei Perspektivspieler verpflichtet zu wissen, antwortete Lucien Favre kurz und trocken: “Mir gefällt es, wie wir hier arbeiten.”
Einer wäre fast noch bei Borussia gelandet: Manuel Schmiedebach von Hannover 96. Der 23jährige Abwehrspieler wurde im kicker interviewt, die erste Frage von Michael Richter: “Sie haben lange mit der Verlängerung in Hannover gezögert. Waren Bremen und Gladbach so gute Alternativen?” Schmiedebach sagt vielsagend nichts: “Darüber spricht man nicht.”
Die voraussichtlichen Aufstellungen: