Mit diesem kleinen Bonmot erfreute uns sky-Vorzeigekommentator Fritz von Thurn und Taxis am letzten Sonntag. Während die Borussia beim VfB 3:0 gewann, trieb der rüstige Kommentator-Routinier die Zuschauer ein ums andere Mal mit seinen Analysen zur Verzweiflung. Aber, und das ist das Schöne an der modernen Welt: Mit wenig Aufwand ist der feine Herr abgeschaltet und der Fan bekommt nur noch die reine Stadion-Atmosphäre zu hören. Warum nicht gleich so?
Sportlich pulverisiert die Mannschaft in diesem Jahr einen Negativrekord nach dem anderen? Seit 16 Jahren kein Sieg bei den Bayern? Check. Seit 17 Jahren kein Sieg in Stuttgart? Check. Saisonziel 40 Punkte plus x? Check, allerdings schon fast am 19. Spieltag.
Bei soviel guter Laune ist es in diesem Jahr dann auch nicht weiter tragisch, dass sich das Januar-Transferkarussell dreht. Wo zu Zeiten von Dick Advocaat noch das “Kaufhaus des Westens” regierte, verpflichtete Max Eberl kurz nach Jahreswechsel lediglich zwei Perspektivspieler. Einen, Tolga Cigerci, wollte er schon im Sommer holen, scheiterte aber an Magath. Den anderen, Alexander Ring, hatte Favre beim Spiel von Schalke 04 gegen HJK Helsinki gesehen.
Auf der Abgangsseite kam aber erst in den letzten Tagen Bewegung hinein.
Raul Bobadilla hat den Klub bereits in der letzten Woche verlassen, am gestrigen Montag zog ein weiterer Spieler davon. Lukas Rupp geht bis zum Saisonende zum Zweitliga-Fünften SC Paderborn, wo er auf hohem Niveau Spielpraxis sammeln soll, wie es so schön heißt. Fürwahr keine schlechte Variante: Rupp kann sich im Kampf um den Aufstieg in die Erste Liga bewähren, Borussia weiß den jungen Mittelfeldspieler bei einem seriösen Verein untergebracht. Bereits in der Vergangenheit hatte sich der SCP bei Borussia bedient: Sebastian Schachten lieh man vom VfL aus, vor dieser Saison wurde Jens Wissing vom Borussia-Park weg nach Westfalen gelotst.
Verlassen haben die Borussia damit vor allem Spieler aus der zweiten Reihe. Joshua King verbrachte mehr Zeit bei medicoreha als auf dem Trainingsplatz, daher war das vorzeitige Ende des Leihgeschäfts nur folgerichtig. Logan Bailly sucht nun beim KRC Genk in Belgien nach seiner Form, nachdem sein eigentlicher Leihverein Xamax Neuchatel Konkurs angemeldet hatte. Elias Kachunga, treffsicherer Nachwuchsstürmer in der U23, soll sich im Stahlbad 3. Liga bewähren und wurde leihweise nach Osnabrück transferiert. Raul Bobadilla bekam nur ein paar Einsatzminuten und hatte absehbar keine Chance mehr auf die Startelf. Und schließlich der Transfer von Lukas Rupp, der auf den offensiven Flügelpositionen gegen Herrmann und Arango momentan keine Chance hat.
Nun könnte man befürchten, dass diese Politik, Reservespieler abzugeben, schnell zum Bumerang werden kann. Besonders die Abgänge Rupp und Bobadilla ließen manch Fans Sorgenfalten entstehen: Können verletzte Stammspieler überhaupt ersetzt werden? Oder droht ein Chaos wie in der Defensive der Vorsaison?
Betrachten wir also einmal die vier Offensivpositionen in Borussias System, dann werden wir sehr schnell feststellen, dass es eigentlich personell überhaupt keinen Grund zur Sorge gibt. Auf den beiden Mittelstürmerposten sind Mike Hanke und Marco Reus gesetzt, als Backup stehen Igor de Camargo und Mathew Leckie zur Verfügung. Auf dem linken Flügel hat Juan Arango seinen Stammplatz, er kann aber sowohl von Alexander Ring als auch von Tolga Cigerci ersetzt werden. Der rechte Flügel letztlich wird von Patrick Herrmann beackert, hinter ihm wartet Yuki Otsu auf seine Chance. Es sind alle vier Positionen im Offensivbereich doppelt besetzt – nicht nur vom Namen her, auch qualitativ. Natürlich sind gerade Cigerci, Leckie und Otsu noch eher in die Kategorie “ungeschliffenes Talent” einzuordnen, doch Lucien Favre ließ zuletzt immer wieder durchblicken, dass gerade der junge Australier immer besser und besser wird.
Insofern überrascht es wenig, dass die in den letzten Tagen noch etwas hochgebrodelte Gerüchteküche keinen einzigen wirklichen Neuzugang herbeispekulieren konnte. Auf der heute Mittag veröffentlichten Transferliste findet sich kein für Borussia Mönchengladbach infrage kommender Spieler, sieht man einmal vom Kaliber Lucas Barrios ab, der finanziell nicht zu realisieren ist.
Dass Eberls Planungen für den Sommer gemeinsam mit Favre bereits im vollem Gang sind, daran dürfte kein Zweifel bestehen. Ob tatsächlich Leute wie Dusan Tadic geholt werden, dessen Ablöse serbische Medien auf 7,5 Millionen Euro taxieren, sei einmal dahingestellt. Denn bereits in der letzten Transferperiode gab es einige quasi-schon-verpflichtet-Transfers, aber gekommen ist letzten Sommer weder ein Semir Stilic (sagte wegen mangelnder Perspektive ab) noch ein Dusan Djuric (ging für 500.000 Euro nach Valenciennes).
Fest steht für den Moment auf jeden Fall, dass Borussia von der Kaderstruktur her sehr gut für die Restsaison aufgestellt ist. Auch verletzungsbedingte Ausfälle von Stammkräften können mit dem vorhandenen Spielerpersonal ersetzt werden. Dass es dabei auch auf vermeintlich Unzufriedenene ankommt, bewies am Sonntag Oscar Wendt. Der wurde für den kurzfristig erkrankte Filip Daems in die Startelf befördert und konnte sich nach nervösem Beginn im Laufe des Spiels deutlich steigern. Auch dies eher ein Beweis dafür, dass der zweite Anzug passt und nicht zu klein geschnitten wurde.
Du hast Armin younes aus unserer Jugend vergessen.
Younes hat im Wintertrainigslager einen sehr guten Eindruck hinterlassen!
Unsere Schwäche sind definitiv nicht die Offensivpositionen. Mit Sorge betrachte ich eher das zentrale Mittelfeld – mir fällt jetzt spontan nur Ring als Reserve ein. OK, man könnte Jantschke nach zentral ziehen und Zimmermann auf rechts eine Chance geben. Aber dennoch fehlt es hier ein bisschen an Tiefe.
Andererseits andererseits funktioniert unser System aktuell mit so einer Perfektion, das es gar nicht mal so sehr darauf ankommt, wen man konkret da reinwirft – wie du schon im Fall Wendt beschrieben hast.
Und irgendwelche 7-Millionen-Hammertransfers sollte man tunlichst unterlassen, das bringt nur Unruhe rein. Lieber 2 x 2-3 Millionen für einen Flügelspieler und einen ZM, vielleicht noch einen talentierten IV.