Der 19. Spieltag dieser Saison endet am Sonntag mit dem Spiel der Borussia beim VfB Stuttgart. Drei Punkte will der VfL mitnehmen, dabei sinnt man auch auf Wiedergutmachung für die unsägliche 0:7-Pleite vor Jahresfrist. Einer wird dabei nicht mehr zuschauen können – zumindest nicht als offizielles Mitglied des Gladbach-Trosses: Raul Bobadilla. Der 24jährige Stürmer, der in Gladbach insgesamt nicht über den Status “Braucht noch etwas Zeit” hinausgekommen war, wechselte gestern zurück in die Schweiz zu den Young Boys Bern. Schweizer Medien zufolge beläuft sich die Ablöse auf 2 Millionen Euro plus eventueller Nachzahlungen, wie Borussia gestern bestätigte.
Damit endet auch das Engagement des zweiten Argentiniers in Mönchengladbach erfolgloser als gedacht. Schlussendlich erscheint der Abgang des “Büffels” folgerichtig, seine viel zu oft viel zu egoistische Spielweise hat nie wirklich ins Taktikkonzept Lucien Favres gepasst. Einziger Lichtblick in dieser Saison sein Gala-Auftritt gegen Wolfsburg (4:1), bei dem Bobadilla primär als selbstloser Vorbereiter glänzte – eine Tugend, die ihm danach allerdings wieder abhanden kam. So nutzte Favre Bobadillas Leistungen zum Ende hin nur, als es darum ging, in den Schlussminuten einer Partie den Ball möglichst lange an einer der gegnerischen Eckfahnen zu halten und auf den Schlusspfiff zu warten.
Raul Bobadilla wünschen wir, dass er in der Schweiz wieder zu der Form und Stärke findet, die ihn in Zürich ausgezeichnet hatte. Dass nun wieder zaghaft über einen Neuzugang in Borussias Sturm diskutiert wird, lässt sich nicht vermeiden. Einer fällt dabei als Alternative aus: Vedad Ibisevic von der TSG Hoffenheim wechselt zum Ligagegner VfB Stuttgart. Fredi Bobic lässt sich den Bosnier satte 5 Millionen Euro Ablöse kosten, ein Auftritt Ibisevics gegen Borussia in der Stuttgarter Startelf ist ziemlich sicher. Für Lucien Favre bedeutet diese kurzfristige Personalie ein Nachjustieren der taktischen Ausrichtung, der VfB Stuttgart hat allerdings nur noch drei Tage, um den Ex-Hoffenheimer in Mannschaft und System zu integrieren.
Hier könnte auch eine Chance für die Borussia liegen: Der VfB wird es in 72 Stunden wohl kaum schaffen, Ibisevic in alle Offensivlaufwege und -spielzüge zu integrieren. Natürlich ist auch nicht davon auszugehen, dass er herumstolpert wie ein Fremdkörper, aber eventuell ergeben sich um Ibisevic herum Lücken und Räume, die Borussia nutzen könnte. Im Endeffekt wird diesbezüglich auch viel davon abhängen, wieviel Defensivarbeit Ibisevic am Sonntag leisten kann und will.
Geleistet haben sich in der Berichterstattung rund um Borussia auch der ein oder andere Experte ein paar böse Schnitzer. Am Montag verglich das Vorzeigeblatt des Springer-Konzerns fröhlich die Gegentore aller Profiteams in Europa miteinander und konnte nach dieser aufwendigen Expertise stolz verkünden: “Als Salomon Rondon zum 1:4 (85.) für Malaga gegen Barcelona traf, hatte Gladbach mit 12 Gegentoren sogar die beste Abwehr aller Top-Ligen in Europa!”
Wunderschön! Nur zu einem war das offensichtlich nicht vorgedrungen – Udo Lattek. Der “checkte” auf der Internetseite der Zeitung am gleichen Tag nämlich die Meisterschaftschancen der Top 4 der Bundesliga und kam bei Borussia zu einer überraschenden Erkenntnis. Darauf angesprochen, welche Schwächen er beim VfL noch sieht, gab er freimütig zu: “Die Abwehr – abgesehen von Torwart ter Stegen – überzeugt mich nicht.“
Und nun? Beste Abwehr Europas? Nicht überzeugende Defensive? Wir sind gespannt, wie B*LD diesen philosophischen Widerspruch aufzulösen vermag.
Am Mittwoch dann zuckte noch einmal die Initiative Borussia. Horst Köppel, seines Zeichens Beinahe-Präsident, bekannte im Düsseldorfer Boulevard: “Man muss dieser taktisch überragend agierenden Truppe sogar die Meisterschaft zutrauen. Auf jeden Fall geht es im Sommer wieder nach Europa, da bin ich mir ganz sicher…”
Was ist denn da los? Lob vom “fairen Sportsmann Köppel”, wie es im Artikel heißt?
Ein Blick auf den Autor des Artikels offenbart das ganze Dilemma: Ebenjener Wilfried Horrmann ist Verwandter ersten Grades von Heinz Horrmann – Sie wissen schon, der weltberühmte und global gefürchtete Restaurantkritiker, der vor einem guten Jahr im Fahrwasser der Initiative mitschwamm. Ein Artikel, nett gemeint in der Intention, Horst Köppel wieder ins Gespräch zu bringen.
Da fällt einem nur noch das auch bald ein Jahr alte Zitat von Vorzeige-Initiativist Norbert Kox ein: “Lucien Favre sofort einen Vertrag über zweieinhalb Jahre zu geben, ist dummes Zeug.”
Sei’s drum – gespielt wird immer noch in der Gegenwart. Und die sieht aktuell mehr als rosig aus. Zwar wird der Abgang Bobadillas noch einmal zusätzliches Feuer in die Gerüchteküche bringen (das Transferfenster ist schließlich noch vier Tage offen), ob sich aber so kurzfristig noch etwas bei Borussia tun wird, darf bezweifelt werden. Ein Name, der immer wieder hartnäckig von verschiedenen Seiten thematisiert wird, ist Patrick Helmes. Allerdings berichten mehrere Fans, die das Trainingslager in Belek besucht hatten, dass der Wolfsburger niemals wirklich ernsthaft ein Thema war beim VfL. Interessent Eintracht Frankfurt muss sich noch mit Magath über die Ablöse einigen, was man bis Montag erledigt haben will.
Obwohl die Bilanz gegen den VfB Stuttgart mehr als dürftig ist, fährt die Mannschaft Borussias mit großen Selbstvertrauen nach Schwaben. Das 3:1 gegen die Bayern hat einmal mehr gezeigt, wie extrem wichtig taktische Disziplin in Borussias Konterspiel ist. Der VfL sollte sich allerdings nicht darauf verlassen, dass sie Stuttgarter in derselben Form auflaufen, mit der sie letztwöchig 1:3 auf Schalke verloren hatten. Es wird ein heißer Tanz am Sonntag vor großer Kulisse, der der Borussia alles abverlangen wird. Gleichwohl gilt es, den guten Start in die Rückrunde mit einem Erfolg auswärts zu festigen. Und mit Erfolg ist auch ein Unentschieden gemeint – wird es mehr, freuen wir uns alle.
Die voraussichtlichen Aufstellungen: