Borussia-Park, Hinrundenspiel gegen Werder Bremen. Nachdem der VfL schon in der ersten Halbzeit großartigen Fußball gezeigt hat und den anwesenden sky-Kommentator (man verzeihe mir, dass mir der Name entfallen ist) mehrfach in Entzückung versetzt hat, nimmt Arango vor der Strafraumkante an der Nordkurve Maß und befördert den Ball mit einem technisch mehr als brillantem Außenristschlenzer zum 5:0 ins rechte Eck.
“Der Wahnsinn”, so kann sich der sky-Kommentator kaum noch halten, “geht weiter!”
Kein Satz könnte besser zu dem passen, was sich am Freitag im Park gegen den Rekordmeister aus München abgespielt hat. Zwischenzeitlich lag die Mannschaft, die vor sieben Monaten noch Relegation gegen Bochum gespielt hat, mit 3:0 gegen Bayern München in Führung – wie so oft muss man sich als Fan in diesen Monaten regelmäßig selber kneifen, um sicherzugehen, dass das alles kein Traum ist.
Die Art und Weise, wie die Borussia den FC Bayern bezwungen hat, kann man nicht oft genug loben. Lucien Favre hat seiner Mannschaft ein taktisch exzellent angepasstes Konterkonzept verpasst, bei dem die Münchner eigentlich gar keine Chance hatten. Defensiv verschob die Borussia immer geschickt zwei Viererreihen so eng zueinander, so dass den Bayern in der Offensive eigentlich überhaupt keine Räume blieben. Offensiv nutzte Borussia die drei gröbsten Böcke der Bayern-Abwehr zu drei Treffern – gnadenlos effektiv.
Natürlich spielte Neuers Riesenklops vor dem 0:1 Borussia in die Karten. Doch auch danach war der FC Bayern nicht in der Lage, die Borussia defensiv in Verlegenheit zu bringen. Nach ungefähr zwanzig Minuten konnte man den Roten regelrecht ansehen, wie frustriert und genervt sie schon zu diesem Zeitpunkt von Gladbachs Abwehrarbeit waren.
Bei den beiden weiteren Gladbacher Toren trug einmal mehr Früchte, dass Favre immer wieder Passspiel und Laufwege penibel genau trainieren lässt. Hankes Querpass direkt in den Lauf von Herrmann belegte dies eindrucksvoll. Allerdings ging dem zweiten Treffer auch ein gewonnener Defensivzweikampf von Juan Arango voraus, der gegen Robben geschickt den Körper einsetzte, den Ball sicherte um sofort in Richtung Hanke umschaltete. Der Niederländer wusste sich übrigens nicht anders zu helfen als durch reflexartiges Vortäuschen einer Verletzung.
Und auch der dritte Treffer ging von Juan Arango aus. Der war maßgeblich an einem Ballgewinn am eigenen Sechzehner beteiligt und schickte dann mit einem wunderbaren langen Ball Marco Reus – dessen Steckpass auf Herrmann fällt mal wieder in die Kategorie “einstudiert”. Die Bayern waren nach 90 Minuten sowas von mit den Nerven fertig, dass Bastian Schweinsteiger nur noch versuchten konnte, die Niederlage mit dem schlechten Rasen zu erklären.
Das Wochenende rundete dann noch Max Eberl mit seinem Auftritt im Deutschen Pokerfernsehen ab. Borussias Sportdirektor überzeugte mit sachlichen, kompetenten Aussagen zur aktuellen Lage im Klub, bezeichnete das mediale Theater in der Winterpause korrekt als “Hysterie” und wies die ein oder andere Polemik seiner Gesprächspartner souverän zurück. “Ich habe sämtliche Spielerverträge dabei”, witzelte Eberl gleich zu Beginn, als Wontorra ihn vorwarnte, dass diverse Abgangs- und Zugangsgerüchte thematisiert werden könnten. Ein souveränes Interview, bei dem lediglich das leicht indisponierte Pärchen im Hintergrund irritierte: Er im roten Heimtrikot des FCN, sie im knallorangen Werder-Jersey und laufernd am Kichern. Vielleicht waren es aber auch nur die Schuhe von Thomas Strunz (die Lady Gaga des Ex-DSF), die die Contenance der Dame kurzzeitig außer Betrieb setzten.
Und so ist auch der Start in die 4. Kalenderwoche 2012 für jeden Gladbachfan ein Freudentanz. Wer Anhänger des Effzeh unter seinen Arbeitskollegen hat, wird wahrscheinlich seit Wochen von diesen kaum noch auf Fußball angesprochen. Und auch Bayern-Fans werden dem Borussen seit Freitag wohl vorerst nicht mehr mit Frotzeleien und Sticheleien gefährlich. Es kann so schön sein, Borusse zu sein.
Möge es noch lange so bleiben.