Vier Wochen ist es jetzt her, als zum letzten Mal Bundesliga-Fußball gespielt wurde. Ende Dezember entließ uns die Mannschaft von Borussia mit einem 1:0 über den FSV Mainz 05 in die Winterpause. Hing im Dezember der Himmel für uns Fans noch voller Geigen, wurde diese Idylle im Januar bekanntlich gestört. Doch wenn das ganze Medientheater um den Wechsel eines Marco Reus und die völlig unseriös hintendran spekulierten Auflösungssymptome einen positiven Effekt hatte, dann zumindest den, dass sich die Borussia relativ ungestört auf das erste Rückrundenspiel am morgigen Freitag vorbereiten konnte. Ja, richtig gelesen – ungestört. Oder hat etwa in den letzten Wochen überhaupt einer etwas ausführlicheres über Tolga Cigerci und Alexander Ring gelesen als das Wörtchen “Kaufoption”?
Wohl kaum. Und genau das ist die Chance, die Favres Team gegen den Rekordmeister besitzt. Über den Leistungsstand der Borussia ist fast gar nichts in die Medien gekommen. Natürlich gab es die drei Testspielsiege (alle mit 3:2) in Belek – aber die haben wohl kaum Aussagekraft. Auch der Auftritt beim Wintercup in Düsseldorf war keine Standortbestimmung, Favre gönnte im zweiten Spiel viel eher der halben Reservemannschaft Spielpraxis vor Fernsehkameras. Wie weit ist die Borussia also? Wie intakt das Gefüge? Bevor diese Fragen morgen abend wahrscheinlich wieder Alt-Bajuware Fritz von Thurn und Taxis auf sky neunzigminütig unter inflationärem Zitieren der Bild-Artikel der letzten Wochen thematisiert (alleine deswegen schaue ich das Spiel in der ARD), lassen wir doch einmal die Beteiligten selber zu Wort kommen.
Mike Hanke äußerte sich schon in Belek über das Winter-Wechseltheater: “Davon lassen wir uns als Mannschaft nicht beeinflussen. Wir genießen unsere sportliche Situation, es ist die pure Freude. Wir hatten beispielsweise gestern viel Spaß beim Abendessen, ein Neuer musste wieder was vormachen. Wir haben viel Spaß in der Mannschaft und wollen keine negative Energie von außen. Wir wollen die Rückrunde genießen und da weiter machen, wo wir vor der Winterpause aufgehört haben.”
“In der Mannschaft war das nie ein Thema und wir hoffen, dass es mit dem Bundesliga-Auftakt auch wieder etwas abkühlt”, so Max Eberl am gestrigen Mittwoch über ebendiese Wechsel.
“Wir schauen jetzt nur noch auf das Spiel gegen die Bayern. Und das wollen wir gewinnen”, sagte Marco Reus nach dem Wintercup.
Und auch Favre sprach über den aktuellen Status des Teams: “Die Mischung in der Mannschaft passt momentan sehr gut. Das verstehen auch die Spieler, die zurzeit nicht in der Startelf stehen.”
Depressionen klingen anders.
Der ein oder andere Ex-Borusse hat da ganz andere Probleme – zum Beispiel Stefan Effenberg. Der ist nicht nur im Mai mit Glanz und Gloria daran gescheitert, sich in den Stuhl von Max Eberl wählen zu lassen. Noch immer scheint der ehemalige Spielmacher der Borussia mit sich uneinig zu sein, wo denn jetzt sein Herz eigentlich hingehört.
Ende April, auf dem medialen Höhepunkt der Initiative Borussia, war sich Effe noch sicher: “Borussia ist eine Herzensangelegenheit.” Eine Woche später bekannte er kitschig: ” Ich habe die Raute im Herzen und darum bin ich hier.”
Das Ende ist bekannt. Doch wie das manchmal so ist im Leben, flog dem “Tiger” das nächste Jobangebot kaum ein halbes Jahr später ins Haus. Okay, Uli Hoeneß hat vielleicht nur so ein bisschen ins Blaue spekuliert Anfang des Jahres. Aber Effenberg als Hoeneß-Nachfolger? Ein Job wie gemalt für Effe.
Der konnte seine Freude über Hoeneß’ Offerte bei sky auch kaum zügeln und schwappte vor bajuwarischem Enthusiasmus fast über.
“Ich bin sicher, dass Bayern 2:0 siegt”, gestand Effe. “Damit habe ich verraten, wie mein Herz schlägt, oder? Ich habe Borussia viel zu verdanken, aber Bayern ist Bayern. Das ist eine andere Bindung.”
Wünschen wir Effe, dass er irgendwann weiß, was er will.
Als Fan der Borussia kann man sich jedenfalls auf eine sehr gut vorbereitete, intakte und spielfreudige Borussia einrichten, denn dass die Jungs dem Spiel am Freitag regelrecht entgegenfiebern, ist mehr als deutlich. Nicht zuletzt der 1:0-Sieg aus dem Hinspiel und der trotz horrenden Topspielzuschlags ausverkaufte Park werden der Mannschaft den nötigen Rückenwind verpassen.
Bleibt nur noch zu hoffen, dass die Fans ees unterlassen, Reus und Neustädter auszupfeifen. Wer so etwas vorhat, sollte seine Energie lieber in das Anfeuern der eigenen Mannschaft investieren.
Wichtig is halt immer noch aufm Platz.
Die voraussichtlichen Aufstellungen: