Das neue Jahr könnte besser losgehen: Marco Reus verlässt die Borussia im kommenden Sommer, Roman Neustädter ebenso. Während der VfL für seine Nummer 11 noch eine stattliche Ablöse von 17,5 Millionen Euro kassiert, nutzt Roman Neustädter seinen auslaufenden Vertrag, um ablösefrei zu wechseln – wohl nach Schalke, wie es scheint.
Diese beiden Personalien wären so gesehen nichts Neues in Mönchengladbach. Schließlich ist man es bei der Borussia gewohnt, ständig Leistungsträger abgeben zu müssen. Reus, Marin, Jansen, Ketelaer, Deisler, Effenberg, Dahlin, Herrlich… die Liste ist nahezu endlos. Der Transfer des Publikumsliebling Marko Reus hat die Fangemeinde aber besonders hart getroffen. Reus, der Sympathie- und Hoffnungsträger, Reus, die Identifikationsfigur – alles Makulatur. Spötter behaupten, dass der Spieler zumindest nie gelogen hat, wenn er wieder einmal in einem seiner zahlreichen Interviews versprach: “Ich beschäftige mich ausschließlich mit Borussia.” Nur mit welcher Borussia, das hat er offengelassen, der Fuchs.
Dennoch war die Akte Reus von einer Stunde auf die andere für manchen Redakteur Anlass genug, einen unfassbaren medialen Affentanz loszutreten – kurz, nachdem die Mannschaft ins Trainingslager aufgebrochen war.
Denn selbst Platz 4 und 33 Punkte können offensichtlich die breite Masse nicht daran hindern, nun apokalptische Weltuntergangsszenarien heraufzubeschwören, die an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten sind.
Die BILD kannte mal wieder die ganze Wahrheit, nämlich die, dass Lucien Favre ans Aufhören denkt. Weil Reus geht. Favres Dementi, dass prompt am nächsten Tag folgte und die mal wieder fragwürdigen Interviewmethoden des Boulevardblattes kritisierte (“Aussagen völlig aus dem Zusammenhang gerissen”), konnte die Hysterischen auch nicht beruhigen – hier waren schon längst andere Blätter auf den Zug aufgesprungen und wollten sich mit Favres deeskalierendem, klarem Statement bei weitem nicht zufriedengeben. Nein, stattdessen wurde fröhlich hineininterpretiert – was dann in der Behauptung “Favre macht Druck” gipfelte. Und da auch die RP nicht ohne das Schüren von Angst auszukommen scheint, wurde schon mal ein neuer Arbeitgeber gesucht: “Sein neuer Stellenwert macht Favre attraktiv. Zum Beispiel für Rekordmeister FC Bayern München (…).”
Natürlich zog das Thema ruckzuck weitere Kreise.
Aber die BILD wäre nicht die BILD, wenn sie nicht noch das Sahnehäubchen auf den Kuchen setzen könnte. Wenn Reus schon geht – dann muss auch Dante gehen! So enthüllte (sic!) das Blatt, dass auch Dante im Sommer eine Ausstiegsklausel ziehen darf. Und das auch wahrscheinlich wird. Weil Reus ja weg ist. Und Neustädter und Favre auch. Und Gladbach “zerbricht”.
Und um dieser unsäglichen, haltlos panischen Debatte noch die Krone aufzusetzen, ist sich selbst ein renommiertes Nachrichtenmagazin wie der Spiegel nicht zu schade, um den gesammelten Mumpitz einmal komplett wiederzukäuen und dann noch einen draufzusetzen: “Wie ein ehemaliger Gladbacher Funktionär SPIEGEL ONLINE bestätigte, soll sich [Max Eberl] zuletzt immer wieder sehr positiv über die Arbeit von Markus Babbel geäußert haben. Dieser ist seit seiner Demission bei Hertha BSC Berlin wieder auf dem Markt.”
Und da ist dann schon in der Headline von “Sinnkrise” und “Trümmern” die Rede.
Wir fassen zusammen:
Marco Reus wechselt. Roman Neustädter wechselt. Dante wechselt, wohin, enthüllt wahrscheinlich wieder BILD. Favre wechselt auch, und zwar zu den Bayern. Sein Nachfolger wird Markus Babbel, wie der Spiegel von “ehemaligen Funktionären” erfahren haben will.
Wohlgemerkt: Es geht um einen Verein, der mit 33 Punkten aus 17 Spielen auf Platz 4 der Bundesliga-Tabelle steht, 10 Punkte Vorsprung auf einen “nicht-internationalen” Tabellenplatz hat und dessen Teilnahme an der Champions League im nächsten Jahr rechnerisch nicht unmöglich ist.
Als vor zwölf Monaten der ganze Verein moralisch am Boden und mit 10 Punkten am Tabellenende lag, redete niemand von einem zerbrechenden Gladbach. Stattdessen wird in einer absolut gegenteiligen Situation den Fans mit schlechtem Journalismus in einem Ausmaß Angst gemacht, dass man fast glaubt, der Verein löst sich nächste Woche ganz auf.
Aber es gibt noch Hoffnung: Während die Medien weitermachen in ihrem unsäglichen Weltuntergangs-Brimborium, macht die Mannschaft einfach weiter wie bisher. Sowohl Marc-André ter Stegen (“Wir haben im Verein und in der Mannschaft nach wie vor ein sehr, sehr gutes Klima”) als auch Max Eberl (” Wir werden uns das Erreichte durch dieses Gerede ganz sicher nicht kaputt machen lassen”) mit klaren Statements, als auch wie Mike Hanke, der in Belek einfach mal spaßeshalber seinen frei erfundenen Wechsel bekanntgab und sich über die verdutzten Gesichter der Journaille freute – nur, um einen Satz später ebenfalls auf den Tisch zu hauen: “Es ist Wahnsinn, was hier gerade los ist und wie versucht wird, hier eine negative Stimmung reinzubringen.”
Hoffnung macht wirklich nur ein Blick auf den Kalender: In 10 Tagen steht der Auftakt in die Rückrunde an – mit Marco Reus, mit Roman Neustädter und mit Dante – überraschenderweise auch mit Favre. Natürlich werden selbst dann die Hysterischen nicht verstummen – die toben sich sowohl auf Fan- als auch auf Journalistenseite schon längst mit den Bombentransfers im kommenden Sommer an, bei denen die Spekulation von Tag zu Tag nur noch absurder werden. Aber das ist ein anderes Thema.
Nachtrag von 15.00 Uhr:
Borussias Sportdirektor Max Eberl hat der unsäglichen Berichterstattung des Spiegel klare Worte folgen lassen. “”Das ist der größte Schwachsinn, der seit langer Zeit über Borussia Mönchengladbach geschrieben wurde. Von den Autoren hat niemand mit uns gesprochen, das ist alles aus anderen Zeitungen abgeschrieben und größtenteils wilde Spekulation”, wird Eberl auf borussia.de zitiert. Aber, Ihr ahnt es schon: Die hysterischen Schreihälse werden sich garantiert an dem Wörtchen “größtenteils” hochziehen und in den nächsten Tagen den Unfug weiter verbreiten und thematisieren.
Feines Ding! Ich hätte es auch nicht anders ausgedrückt….und jetzt endlich bald wieder Fußball!
Dem kann ich vollumfänglich zustimmen!
Ich habe gelernt:
Wenn Du belogen und verars..t werden willst, die “BLÖD” aber schon ausverkauft, greife zum vertrauensvoll zum “Spiegel”.
Er bedient dich zuverlässig mit den neusten “BLÖD”heiten!!
Ein sehr guter Artikel. Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie gern die Medien – egal, was passiert – über BMG herfallen. Läuft es schlecht, dann sind solche Überschriftenteile wie “Schlappbach” oder “Versager” etc. an der Tagesordnung. Nun läuft es bisher hervorragend und unerwartet und schon wird alles Mögliche und Unmögliche an den Haaren herbeigezerrt, um den Versuch zu starten, Unsicherheit hineinzubringen und Unruhe zu schaffen. Hoffentlich bleiben alle ruhig und besonnen und zeigen durch gute Leistungen, dass weder der Verein noch die Fans sich von den Medien von ihrem Weg abbringen lassen.
Schöner Artikel, sehe ich genauso.
Ok, Bild ist Bildd, hier sind und bleiben die Erwartungen des Betrachters niedrig. Aber was treibt den Spiegel? Sind die Journalisten oder ganze Abteilungen dort alles entäuschte Schlake Fans? Oder möchte jemand, dass diese “Journalien” so etwas für nen “kleinen” Euro schreiben?