Nach dem glanzvollen 0:1 des FC Bayern beim hochfavorisierten FC Basel steht am Wochenende wieder Bundesliga auf dem Programm. Genauer gesagt: Morgen eröffnet unser Leib- und Magenverein den Spieltag mit einer Heimpartie gegen den HSV. Der hat sich unter Ex-Münchner und Ex-Basler Thorsten Fink erstaunlich schnell stabilisiert, unter anderen sind die Norddeutschen auswärts seit September 2011 ungeschlagen. Das passt zur Borussia, die ihrerseits in dieser Spielzeit noch ohne Heimpleite ist.
Auf der gestrigen Pressekonferenz hatte Lucien Favre eine Menge Fragen zu beantworten – allerdings weniger zum Spiel als vielmehr zum Thema Dante und Bayern München. Die aus München gestreuten Spekulationen (dasselbe Blatt war sich übrigens gestern nicht zu schade, trotzig wie ein Kleinkind des Wechsel Dantes nochmal als perfekt zu vermelden) hatten auch Journalisten in helle Panik versetzt, die Borussias Trainer ganz reflexartig nach Bayerns Interesse an Dante und ihm selbst befragten. Der wusste erst einmal gar nicht, worum es geht und musste sich erstmal von Markus Aretz über die Gerüchteküche informieren lassen – um dann ausführlich Stellung zu nehmen: “Ich spreche nur über Fußball”, erklärte der Coach sichtlich angenervt. Max Eberl seinerseits betonte nicht zum ersten Mal, dass man nach wie vor mit Favre verlängern möchte, aber: “Das ist nicht in drei Tagen durch.”
Man habe Zeit bis zum Sommer, wenn man den Kader für die neue Saison plane, so Eberl. Und natürlich plane man diese neue Saison gemeinschaftlich mit Lucien Favre – eine Aussage, die in der Presse komischerweise von niemandem aufgegriffen wurde.
Sieht also alles in allem schlecht aus für die Bayern. Zumindest im Bezug auf Favre. Naja, und Basel. Sehr erfreulich ist es da, dass nicht alle Journalisten auf den Panikzug Richtung München aufspringen, sondern ein paar Schreiberlinge die Sachlage auch mal differenzierter bewerten. Auf Fanseite fand dazu ein User auf Borussias eigenem Forum eigentlich das schönste Schlusswort: “Wenn die Presse nen Niesanfall kriegt, springt hier alles im Dreieck. Hier haben einige aus den letzten Jahren Null gelernt. Lehnt Euch zurück und erfreut Euch an Borussia, endlich könnt Ihr es mal.”
Während nämlich die meisten nur mit dem Auseinanderbröseln des Kaders rechnen, laufen hinter verschlossenen Türen schon längt die Planungen für Neueinkäufe. Bei Max Eberl weiß man dabei als Fan nur eines, nämlich, dass man nichts weiß. Es kann ein Spieler verpflichtet werden, der wochenlang in den Gazetten gehandelt wurde (Ring, Cigerci), oder von einem Tag auf den anderen einer aus dem Hut gezaubert werden, mit dem keiner gerechnet hat (Hanke, Stranzl). Vor diesem Hintergrund ist die heutige Neuzugangsspekulation des Vorzeigeboulevards wenig erkenntnisreich: Felipe Santana, 25jähriger Innenverteidiger, möchte den Ballverein Lüdenscheid-Nord verlassen, soll ungefähr 3,5 Millionen Euro kosten und Borussia Mönchengladbach soll Interesse zeigen. Aber wie gesagt: Nix genaues weiß man ja bekanntlich nicht.
Ergänzend dazu sei übrigens erwähnt, dass doch zumindest ein Stammspieler der aktuellen Mannschaft im nächsten Jahr noch erhalten bleiben wird: Harvard Nordtveit, Teil des erfolgreichen Abräumerduos N&N auf der Doppelsechs. Der junge Norweger ließ vermelden: “Ich fühle mich hier sehr wohl und möchte gerne über 2013 hinaus bleiben. Vielleicht schaffen wir ja die Champions League und spielen nächstes Jahr international. Das wäre ein Traum.” Sieht also alles in allem schlecht aus für die Bayern… ach, egal.
Mit dem Hmaburger SV kommt derweil am Freitag ein Gegner in den Park, der wieder Mut geschöpft hat. Vor nahezu ausverkauftem Haus (200 Restkarten aus der Zone der Gästefans sind wohl noch zu haben) wird die Borussia ohne Patrick Herrmann gegen den wiedererstarkten Bundesliga-Dino antreten müssen. Wer den Außenstürmer ersetzt, wollte sich Favre wie immer nicht entlocken lassen. Reus wieder auf rechts? De Camargo auf rechts? Arango rechts und dafür Wendt auf links? Zwischenzeitlich trainierte sogar Yuki Otsu im A-Team als Rechtsaußen. Was zumindest heißt: Das Offensivpersonal ist flexibel genug, um auch den zweimonatigen Verlust von Shootingstar Herrmann abzufedern.
Dabei wird es ein komplett anderes Spiel werden als beim 1:0 vor 17 Spieltagen in der Hansestadt. Der HSV muss auf den flinken Töre verzichten, eine Situation, mit der die Hamburger allerdings schon seit einiger Zeit umgehen müssen. Zudem brennen die Rothosen darauf, Wiedergutmachung für die letztwöchige Derbypleite (1:3 gegen Bremen) zu betreiben.
Genug Offensivpotenzial besitzen die Hamburger bekanntlich. Mit Guerrero, Petric, Son und auch Jansen sind da einige Kandidaten in der Auswahl, die bei Borussia für Unruhe sorgen könnten. Andererseits spricht das wiederum auch für den VfL, denn die Abwehr des HSV zeigt sich in dieser Saison insgesamt ziemlich löchrig (schon 37 Gegentore).
So hofft man als Gladbachfan also auf den Effekt des Schalke-Spiels. Da ließ Huub Stevens mit fünf Offensivexperten auflaufen und wollte für ein wahres Torfeuerwerk sorgen, rausgekommen sind nur Rohrkrepierer, da die Borussia ihrerseits ihr überfallartiges Umschaltspiel gegen eine Mannschaft umsetzen konnte, die zwischen Abwehr und Angriff zu große Lücken ließ. Die Mannschaft des HSV könnte aufgrund ihres Spielermaterials einen ähnlichen Ansatz spielen: Vorne hui, hinten pfui.
Viel wird natürlich auch davon abhängen, wie der Ausfall von Arbeitsbiene Herrmann kompensiert werden kann. Allerdings kehrt dafür mit Mike Hanke eine andere Arbeitsbiene wieder in den Sturm zurück. Und auch Martin Stranzl hat seine Erkältung auskuriert und steht bereit.
Am Ende des Hamburgspiels kann jedenfalls theoretisch ein neuer Tabellenführer stehen: Borussia. Falls die Mannschaft 11:0 gewinnt. Aber erstmal nur punktetechnisch mit dem Tabellenführer gleichzuziehen, wäre doch auch schon mal was.
Die voraussichtlichen Aufstellungen: